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linhof technikaEs war einfach mal wieder an der Zeit meine gute alte Linhof Technika herauszuholen. Im Vergleich zu den ganzen digitalen Kameras, die im Takt eines Kolibripulses Fotos produzieren, ist diese mechanische und optische Meisterleistung die wahr gewordene Entschleunigung des Seins.

Da die Sonne uns seit langer Zeit erstmalig wieder verwöhnte, wollte ich unbedingt das Wochenende nutzen um ein paar der alten Schätzchen wieder einzusetzen. Also schnell zum örtlichen Dealer 120er Rollfilme besorgen (meine Linhof hat ein 6×9 Wechselmagazin), Stativ und Kamera eingepackt und ab zu unserer malerischen Dorfkirche (mitten in Berlin). Meine Nachbarn dürften den Anblick mittlerweile gewohnt sein, wie ich mit allerhand Equipment über der Schulter auf die große Wiese vor der Kirche marschiere.

 

 

Die Kamera

Mechanik vom Feinsten, ohne jegliche Elektronik. Mein Exemplar ist mit einem 120er Rollfilm-Magazin ausgestattet und nimmt Bilder im Format 6x9cm auf. D.h. das Negativ oder Dia-Positiv (je nach Film) hat dann eine Größe von 6cm x 9cm. Zum Vergleich, alte 35mm analog Kameras und digitale Vollformatkameras kommen gerade einmal auf 3,6cm x 2,4cm, bei APS-C sind es je nach Hersteller nur noch ca. 2,22cm x 1,48cm. D.h. die Linhof bietet hier jede Menge Reserven um im Bereich höchster Auflösungsqualität zu punkten. Das Objektiv hat eine Brennweite von 105mm, was umgerechnet auf Kleinbild einem leichten Weitwinkel entspricht.

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Die Mattscheibe

Bevor man nun ein Foto machen kann, gilt es am anderen Ende der Kamera ersteinmal statt des Filmmagazins die Mattscheibe anzubringen, den Bildausschnitt zu kontrollieren und natürlich auf den gewünschten Bildausschnitt scharf zu stellen. Sind diese Einstellungen erledigt, wird die Mattscheibe gegen das Filmmagazin ausgetauscht. Blende und Belichtungszeit kann man direkt am Objektiv einstellen. Für die Messung der korrekten Werte habe ich stilecht meinen alten Gossen Lunasix eingesetzt (unkaputtbar das gute Stück).

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Das Mattscheibenbild ist sowohl um der horizontale als auch die vertikale Achse gespiegelt. Das Einstellen des richtigen Bildausschnittes wird so schnell zu einer exzellenten Übung fürs Hirnhälftentraining.

Tilt & Shift

Dank des vorderen Balgens (ja, es gibt auch noch einen zweiten hinten am Magazin) läßt sich das Objektiv sowohl in der Höhe verstellen (Shift), als auch im Winkel zur Filmebene neigen (Tilt). Wem das noch nicht ausreicht, der kann das Magazin über den Magazinbalgen zusätzlich neigen. Mit dieser Vielfalt an Verstellmöglichkeiten lassen sich stürzende Linien vermeiden und die Schärfeebene detailliert kontrollieren (Stichwort Tilt-Shift-Effekt).

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Ach ja, Bilder die mit der Kamera gemacht wurden kommen natürlich auch demnächst, habe die Filme heute gerade zum Entwickeln gegeben! Alle Fotos auf dieser Seite sind mit meiner Nikon D800 und dem 50mm, f1/1.8 entstanden.

 

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